World War

Dass der Zweite Weltkrieg ein weltweiter Krieg war, weiß - an sich - jeder. Aber dennoch ist das Wissen über diesen Krieg sehr auf den Verlauf und seine Auswirkungen in Europa - im Westen - beschränkt. In den letzten beiden Jahrzehnten hat immerhin das Wissen über die Kriegsverbrechen in Ost- und Südeuropa zugenommen. Heute, in diesem Vortrag, geht es mir darum, die ausgeblendeten Seiten des Krieges zumindest ein wenig darzustellen und Interesse zu wecken für die Ereignisse, Schicksale und Personen, die in der Dritten Welt von Faschismus, Herrenmenschentum und Aggression betoffen waren – und dagegen gekämpft haben.

Foto: Iwo Jima
Das Foto kennt jeder: Es zeigt die Eroberung von Iwo Jima, einer winzigen Pazifikinsel, am 19.2.1945. Es was eine der blutigsten Schlachten im Pazifik. Foto: Native American SoldiersWas kaum jemand weiß: Ein »Nicht-Weißer«, ein Native American, Ira Hayes, Fallschirmspringer aus Arizona, gehörte zu der Gruppe von Marines, die die US-Fahne auf der kleinen Pazifikinsel Iwo Jima hissten. Kaum jemand weiss auch, dass Indianische Nationen wie Irokesen, Chippewa und Sioux Deutschland den Krieg erklärt haben. Gestorben ist Ira Hayes 1955 arm, mittellos und vermutlich betrunken in einem Wassergraben der Reservation, aus der er stammte.

Foto: Filmplakat The Bridge on the River Kwai (1957), ist ein berühmter Film über den Einsatz britischer Kriegsgefangener beim Bau einer Brücke für den Nachschub der kaiserlich japanischen Truppen in Burma. Der Held des Films ist ein weißer Europäer, Lieutenant Colonel Philip Toosey, und der Film tut so, als seien dieser Brückenbau und die Rolle der alliierten Kriegsgefangenen dabei das Wichtigste.

Foto: Zwangsarbeiter an der Burma-Bahn Tatsächlich starben beim Bau der Bahnlinie - nicht nur der einen Brücke am Kwai - Zehntausende asiatische Zwangsarbeiter, an die kein Film erinnert. Und die späteren Kämpfe an dieser Bahnlinie wurden übrigens von Truppen der 81. West-afrikanischen Division geführt, also von Schwarzen Soldaten, die von den Briten für das extreme Klima des Dschungels rekrutiert worden waren. Auch über sie berichtet kein Film.

Foto: Hiroshima August 1945
Dieses Foto oder ähnliche sind vielen bekannt, es zeigt Hiroshima Mitte August 1945. Dass dort am 6. August 1945 eine Atombombe explodierte, ist Schulwissen. Bis Dezember 1945 starben etwa 140,000 Menschen in Hiroshima.

Foto: Manila August 1945
Dieses Bild vom zerstörten Manila auf den Philippinen kennt kaum jemand. Die Schlacht um Manila zwischen japanischen Truppen auf der eine, US-Truppen und philippinischen UnabhängigkeitskämpferInnen auf der anderen Seite, dauerte vom 3. Februar bis zum 3. März 1945. Danach waren 11.000 Gebäude zerstört und das Stadtzentrum in Schutt und Asche gelegt. Insgesamt ließen 100.000 philippinische Zivilisten ihr Leben. Dwight D. Eisenhower konstatierte später: »Von allen im Krieg zerstörten Hauptstädten erlitt nur Warschau größere Schäden als Manila.«

Foto: Truppenparade Paris 25.8.1945
Ein berühmte Szene: Die Forces Françaises Libres und alliierte Truppen marschieren Ende August 1945 nach der Befreiung von Paris durch den Triumphbogen am Champs-Élysées.

Foto: Camp de Thiaroye Friedhof
Was nicht bekannt ist: Wochen zuvor hatte De Gaulle angeordnet, die Einheiten der Schwarzen Soldaten aus den Kolonien Frankreichs, die sich bis dahin für das Freie Frankreich geschlagen hatten, in Lagern in Mittelfrankreich für den Rücktransport in ihre Heimatländer zu kasernieren. Ihnen blieb die Pariser Ehre verwehrt. Im November 1944 landeten etwa 1.300 senegalesische Soldaten im Hafen von Dakar und wurden ins Camp de Thiaroye eingewiesen. Dort warteten sie auf die Auszahlung ihres restlichen Solds sowie Entlassungsprämien, die ihnen in Europa versprochen wurden. Ein General gab den Soldaten sein »Ehrenwort als Offizier«, dafür zu sorgen, dass sie erhielten, was ihnen zustehe. Aber in der Nacht auf den 31. November 1944 umstellten französische Panzer das Lager und eröffnen um fünf Uhr morgens das Feuer. Die genaue Zahl der Toten kennt niemand. Nach den Gräbern auf dem Soldatenfriedhof von Thiaroye zu schließen - das Bild zeigt ihn -, könnten es bis zu 300 gewesen sein. Die Dokumente der französischen Kolonialbehörden trugen vor ein paar Jahren immer noch den Vermerk: »Gesperrt für Journalisten und Historiker«.

Foto: Domenica-Zeitung
Der 2. Weltkrieg bekann eigentlich nicht am 1.9.1939, und auch nicht in Europa. Schon am 3. Oktober 1935 in Äthiopien. Nach einer Rede von Benito Mussolini in Rom, der ein italienisches Großreich in Afrika forderte, überschritten faschistische italienische Truppen ohne Kriegserklärung die äthiopische Grenze. Das war der größte koloniale Krieg, der jemals in Afrika geführt wurde. Die Italiener setzten starke Truppen, Giftgas und schwere Artillerie ein. Sie testeten dort Waffen, wie es die deutsche Luftwaffe im Spanischen Bürgerkrieg erst anderthalb Jahre später tat.

Foto: Nanking-Massaker
Der Zweite Weltkrieg begann in Asien spätestens 1937, als kaiserlich japanische Truppen China überfielen. In den ersten acht Tagen nach dem Einmarsch in Nanking, vom 13. bis zum 20. Dezember 1937, verübten sie ein riesiges Massaker. US-amerikanische und chinesische Historiker gehen übereinstimmend davon aus, dass es in Nanking mindestens 370.000 Tote gab, zudem 20.000 Vergewaltigungen. Nach dem Krieg wurde das Nanking-Massaker jahrzehntelang nicht thematisiert. Der japanische Justizminister Nagano Shigeto bestritt das Massaker noch 1994.

Foto: Nauru-Bombardierung
Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im Pazifik wird allgemein auf den 7.12.1941 und Pearl Harbour datiert. Das ist nicht ganz richtig. Denn schon am 27. Dezember 1940 beschoss ein Kriegsschiff die zentralpazifische Insel Nauru. Das Schiff hieß gehörte als »Hilfskreuzer« zur deutschen Kriegsmarine, die schon Ende 1940 und Anfang 1941 im Stillen Ozean operierte. Sie torpedierte britische und australische Schiffe und verminte Häfen in Neuseeland. Nauru wurde durch die ausgelösten Brände schwer zerstört. Foto: Kwajalein und Landepisten-AtollViele andere vormals idyllischen Pazifikinseln wurden durch den Krieg oder durch damit verbundene Baumassnahmen zum Teil unbewohnbar. Die Schäden sind bis heute sichtbar.

Foto: Zwangsarbeit für die Japaner
Während zumindest einige der überlebenden europäischen Zwangsarbeiter endlich eine gewisse Entschädigung erhalten haben, gingen die Zwangsarbeiter in Asien und im Pazifik, ebenso wie die afrikanischen, leer aus. Nur zwei Beispiele: Die Japaner verschleppten mehr als 5.000 Indern, die sie bei ihrem Vormarsch in Singapur gefangen genommen hatten, als Zwangsarbeiter in den Südpazifik. Und hunderttausende Chinesen, Indonesier und Koreaner wurden in den besetzten Ländern - wie bei der erwähnten Burma-Bahn - zur Zwangsarbeit getrieben.

Foto: Zwangsarbeit Flugplatzbau
Etwa 55.000 Einheimische dienten auf dem Höhepunkt der Kämpfe in Neuguinea den Amerikanern und Australiern als Zwangsarbeiter und Träger. Augenzeugen berichten, es seien auf Seiten der Japaner ähnlich viele gewesen. Insgesamt mussten also mehr als 100.000 Insulaner an und hinter der Front Kriegsdienste leisten.Es kamen vermutlich auch Tausende, wenn nicht Zehntausende, allein auf Neuguinea und den Pazifikinseln im Zweiten Weltkrieg ums Leben.

Foto: Befreite Zwangsprostituierte
Ein in den letzten Jahren endlich bekannter gewordenes Kriegsverbrechen war die Verschleppung von 200.000 Mädchen und Frauen in die Militärbordelle der kaiserlich-japanischen Armee zwischen 1932 und 1945. Neben 120.000 Koreanerinnen gehörten dazu Frauen aus China, den Philippinen, Malaya und Burma. Die Japaner bezeichneten die Opfer ihrer Massenvergewaltigungen als »bereitwillige Dienerinnen des Kaisers«.

Foto: Ehemalige Zwangsprostituierte
Dass die japanischen Kriegsverbrechen an den asiatischen Frauen an die Öffentlichkeit gelangten, ist den Betroffenen selbst zu verdanken. 1991 entstand der »Koreanische Rat der für den sexuellen Missbrauch durch japanische Militärs zwangsrekrutierten Frauen«. Seitdem demonstriert die Selbsthilfeorganisation der koreanischen Frauen einmal pro Woche vor der japanischen Botschaft in Seoul und will ihre Proteste so lange fortsetzen, bis die japanische Regierung endlich die volle Verantwortung für die Kriegsverbrechen an den Frauen übernimmt.

Foto: Menschenversuch Mukden
Leider nicht einzigartig waren die Menschenversuche deutscher Mediziner im Zweiten Weltkrieg. In Europa wenig bekannt ist, dass in Mukden in China japanische Mediziner biologische und chemische Waffen testeten. So flogen 1942 flogen japanische Kampfflugzeuge im Tiefflug über das Dorf Chong Shan. Kurz darauf brach die Pest aus. Ein Drittel der Dorfbevölkerung starb. In Mukden wurden nach 1941 auch Menschenversuche an Kriegsgefangenen durchgeführt. Etwa 70 Prozent der Testpersonen waren chinesische Soldaten, Arbeiter und Intellektuelle. Akribisch wurde in Tabellen festgehalten, wie lange der Todeskampf der Opfer nach der Injektion von Bakterien, bei Erfrierungsversuchen oder bei systematischer Unterernährung dauerte.

Foto: Barnaba
Sogar nach Kriegsende ging das Morden im Pazifik weiter. Auf der winzigen Insel Barnaba westlich der Gilbert Inseln, die 1943 von der japanische Kriegsmarine besetzt worden war, lebten 700 Einheimischen und 713 Arbeitsmigranten von anderen Inseln. Das letzte japanische Versorgungsschiff erreichte Banaba im Oktober 1943. Die Besatzung der Insel dauerte danach jedoch noch zwei Jahre an. Am 20. August 1945, zwei Wochen nach offiziellem Kriegsende, trieben die Japaner etwa 150 Einheimische, die noch nicht verhungert waren, auf Klippen über dem Meer zusammen und schossen sie nieder. Als die Alliierten am 1. Oktober 1945 auf Banaba landeten, fanden sie nur noch japanische Soldaten vor, die behaupteten, alle Insulaner evakuiert zu haben.

Foto: »Tojo«
Im Pazifik kämpften nicht nur japanische Kamikaze-Piloten und US-Marines, die in Dokumentationen und Wochenschauen gezeigt werden. In Papua, Neuguinea und auf den benachbarten Inseln dienten Einheimische als Soldaten. Foto: Papuan InfanteryAls die Japaner 1942 einmarschierten, fassten die Australier ihre insgesamt 3.800 Kolonialsoldaten aus Neuguinea in einem Pacific Islands Regiment zusammen. Der erbitterte Stellungskrieg im tropischen Gebirge von Neuguinea dauerte mehrere Monate und kostete 7.200 Japaner, 1.400 Australier und 800 Amerikaner das Leben. Die toten Kolonialsoldaten hat niemand gezählt.

Foto: Aborigines am MG
Zum Schutz der australischen Küste wurden auch Aborigines mobilisiert und zum Teil an automatischen Waffen ausgebildet - ihre rassistische Diskrimierung setzte sich aber nach dem Krieg fort. Foto: Spionage-SeglerEine spezielle Einheit von Bewohnern der Torres-Strasse übernahm Kundschafterdienste für die Alliierten. Auf ihren Seglern transportierten sie auch Spezialtruppen der Alliierten durch die japanischen Linien - wurden sie von japanischen Truppen entdeckt, wurden sie sofort umgebracht.

Foto: Speerkämpfer
In der damaligen US-Presse wurden diese Soldaten aber nicht als solche abgebildet, sondern wie auf diesem Foto zu sehen, als einheimische, leicht bekleidete Speerkämpfer. Tatsächlich zeigt das Bild übrigens absurderweise einen US-Marine mit südpazifischen Vorfahren, der für die Kameras posieren musste.

Foto: Indische Piloten
Bei Beginn des Zweiten erhöhte die britische Regierung die Zahl der Soldaten in Heer, Marine und Luftwaffe der Royal Indian Army auf etwa 2,5 Millionen. Die Inder stellten damit die größte Kolonialtruppe in der Geschichte des europäischen Kolonialismus, sie wurden in Afrika, Asien und Europa eingesetzt. Hinzu kamen noch 120.000 Gurkhas aus dem benachbarten Königreich Nepal. Die indischen Soldaten erhielten später immerhin Invalidenrenten und Pensionen. Selbst wenn diese geringer waren als die für britische Soldaten, standen sich die Berufssoldaten der Royal Indian Army besser als die meisten Afrikaner, neben denen sie an vielen Fronten kämpften.

Foto: Karibik Küstenschutz
Auch in Lateinamerika und der Karibik fand der Zweite Weltkrieg statt. Von dort kamen Rohstoffe und Soldaten. Die meisten Inseln der Karibik waren zur Zeit des Zweiten Weltkrieges noch britische Kolonien. Von hier aus sollten die deutschen U-Boote abgewehrt werden, die allein 1942 in der Karibik 336 Schiffe versenkt haben. Sogar Brasilien wurde angegriffen: Insgesamt versenkten U-Boote der Achsenmächte von 1942 bis 1944 mindestens 37 brasilianische Kriegs-, Handels- und Passagierschiffe sowie Fischerboote. Insgesamt kostete der deutsch-italienische U-Boot-Krieg rund 1.000 Brasilianer das Leben; die meisten Opfer waren Zivilisten.

Foto: Truppentrasport
Schätzungsweise 250.000 bis 500.000 Soldaten aus Lateinamerika bzw. lateinamerikanischer Abstammung dienten im Zweiten Weltkrieg in den US-Streitkräften. Neben Brasilianern, Mexikanern und Mexican-Americans dienten vor allem Puertoricaner in den alliierten Truppen. Ein Regiment aus Puerto Rico überquerte zum Beispiel im März 1945 den Rhein und blieb als Besatzungstruppe in Süddeutschland. Andere puertoricanische Soldaten kamen in Hawaii und Burma zum Einsatz. Am 11. Juli 1944 meldete die britische Times: »2.000 neue Rekruten aus der Karibik werden nun auf dem Stützpunkt in Yorkshire trainiert. Sie sind Teil des massiven Aufgebots von den Westindischen Inseln und werden als Flugzeug- und Motormechaniker, Funker, Köche und Verwalter ausgebildet.« In Europa sind 236 karibische Freiwillige gefallen, 265 wurden verwundet. Bei Geldspenden kamen allein auf der winzigen Insel Grenada mit damals kaum 60.000 Einwohnern über 20.000 Pfund zusammen.

Foto: Rekrutierung
In vielen Gebieten des britischen Empires wurden Afrikaner systematisch zwangsrekrutiert. Schwarze Soldaten wurden in Afrika selbst, und vor allem in Südostasien eingesetzt. Sie erhielten schlechteres Essen, schlechtere Waffen und einfachere Uniformen als die weißen Soldaten. Die Veteranen treffen sich seit dem Krieg regelmäßig und fordern bis heute von der britischen Regierung eine anständige Rente oder Entschädigungszahlungen, was nie erfolgt ist. Foto: LastwagenpanneAfrika hatte für die Alliierten großen militärstrategischen Wert. Im heutigen Ghana wurden zum Beispiel bis Oktober 1943 über 5.000 britische und US-amerikanische Flugzeuge montiert, die von dort nach Nordafrika und in den Nahen Osten flogen. Über die »Große Nordstraße«, brachten Tausende LKW Nachschub von Südafrika durch Tanganjika bis nach Kenia und Ägypten, es war lange Zeit der einzige Nachschubweg für die alliierten Truppen in Nordafrika.

Foto: El Alamein
Ohne die afrikanischen Soldaten, die diese Strasse bauten und den Transport sicherstellten, hätte die Wehrmacht unter Rommel die Schlacht um El Alamein gewonnen und wäre bis nach Palästina - mit schrecklichen Folgen für die jüdischen Bewohner - und noch weiter vorgedrungen. Foto: Arabische LegionEs ist bekannt, dass viele arabische Organisationen mit Nazideutschland sympathisiert haben, sei es aus Gegnerschaft zur britischen Kolonialherrschaft oder aus blankem Antisemitismus. Weniger bekannt - und vielleicht hoffnungsreicher, sich heute daran zu erinnern -, ist, dass bei Beginn des Zweiten Weltkriegs etwa 1.350 Araber, Tscherkessen und Juden in einer »Arabischen Legion« unter britischem Kommando dienten. Ihre Stärke wuchs bis 1945 auf 8.000 Mann. Die Briten setzten sie in Nordafrika bei den Kämpfen um El Alamein gegen die Wehrmacht ein. In Palästina rekrutierten die Briten etwa 9.000 arabische Soldaten, die auch in Nordafrika und Europa zum Einsatz kamen und an der Befreiung Italiens, Griechenlands und Frankreichs von den deutschen Besatzern teilnahmen.Im Kriegseinsatz wurden der arabische Palästinenser Hazim Khalidi und der jüdische Palästinenser Uzi Narkiss Freunde. Gemeinsam kämpften sie in Nordafrika gegen Nazideutschland und das faschistische Italien. In den israelisch-arabischen Kriegen von 1948 und 1967 sollten sie sich auf gegnerischen Seiten der Front wiederfinden. Um nicht der »Kollaboration« beschuldigt zu werden, konnten sie ihre Freundschaft nur noch insgeheim weiterführen. Sie hielt bis zu ihrem Tod. Khalidi starb 1979, Narkiss 2000.Foto: Maori-BatallionEin Maori-Bataillon, also Native-Soldaten aus Neuseeland, gehörte zu den alliierten Streitkräften, denen es gelang, die deutsche und italienische Armee in Nordafrika vernichtend zu schlagen und 30.000 Gefangene zu machen. Für dieses Bataillon ging der Krieg im September 1943 in Italien weiter. Anfang 1944 vertrieben Maori-Soldaten Anfang die letzten deutschen Truppen aus der berühmten Festung Monte Cassino. Die Kämpfe waren extrem hart und die Verluste hoch.

Foto: Gemälde FEB
Wenig bekannt ist auch, dass brasilianische Expeditionstruppen (FEB) in Europa kämpften. Fast den gesamten Winter 1944/45 kämpften sie in den Bergen nahe Bologna, allein am 12. Dezember 1944 kamen 145 brasilianische Soldaten ums Leben. Im März und April 1945 rückten sie mit US-amerikanischen Einheiten in Norditalien vor. In Montese kapitulierten deutsche Truppen, die zuvor von Maoris und Brasilianern und Maoris besiegt worden waren, vor brasilianischen Offizieren. Ein Umstand, der deutschen Herrenmenschen besonders weh getan haben dürfte, und von einem brasilianischen Soldaten in diesem Ölgemälde festgehalten wurde. Foto: Schwarze Soldaten im SchneeIm Zweiten Weltkrieg haben 1,2 Millionen Afroamerikaner den US-Streitkräften gedient. Afroamerikaner wurden einberufen, um als Soldaten zweiter Klasse ihre bürgerlichen Rechte zweiter Klasse im Namen der Demokratie gegen den Faschismus zu verteidigen. Die afro-amerikanische Bürgerrechtsorganisation Association for the Advancement of Colored People (NAACP) schrieb 1940: »Wir bedauern die Brutalität, das Blut und die Toten unter den Völkern Europas, ebenso wie es uns für China und Äthiopien Leid tat. Aber wir wollen auch Demokratie in Alabama, Arkansas, Mississippi und Michigan, in Washington – und im Senat der Vereinigten Staaten!«

Foto: Schwarze Flugzeugmechaniker
Erst sehr spät konnten Schwarze Piloten in der US-Luftwaffe werden, sie wurden eher als Mechaniker ausgebildet. Etwa einhundert von denen, die Luftwaffenoffiziere geworden waren, demonstrierten am 5. April 1945 auf dem Luftwaffenstützpunkt Freeman Field in Indiana gegen die Rassentrennung und besetzten den weißen Offiziersclub - drei von ihnen kamen vors Kriegsgericht. Erst 1995, ein halbes Jahrhundert später, wurde dieses Urteil für ungültig erklärt.

Foto: Schwarzer in Stalag
Gerieten Schwarze Soldaten in deutsche Gefangenschaft - sofern sie nicht gleich erschossen wurden, wie es für den Krieg in Frankreich 1940 dokumentiert ist - erlitten sie ein härteres Schicksal als ihre weißen Kameraden. Die Wehrmacht stellte 1944 dem Bakteriologen Paul Uhlenhuth an der Universität Freiburg 150 Schwarze Gefangene zur Verfügung. An ihnen sollten neue Impfstoffe gegen Tropenkrankheiten getestet werden. Selbst im Tod hörte die Diskriminierung nicht auf: Auf dem Kriegsgefangenenlagerfriedhof von Luckenwalde finden sich zum Beispiel zwanzig Gräber von Schwarzen Soldaten - aber der rassistischen Staatsdoktrin entsprechend in deutlichem Abstand zu den Gräbern weißer Kriegsgefangener.Drei TeilnehmerInnen des Zweiten WeltkriegsStellvertretend möchte ich zum Abschluss drei persönliche Schicksale aus drei Erdteilen kurz vorstellen. Eines Schwarzen Südafrikanischen Soldaten, eines Kundschafters aus Ozeanien und einer Philippinischen Widerstandskämpferin.

1. Foto: Kyzer
Frank Kyzers Soldatenleben begann Anfang 1940. Mit dem Schiff hatte man ihn und andere nach Garawi in Ägypten geschafft, wo die Südafrikaner ein Übergangslager für »nicht-europäische« Truppen unterhielten. Ab Mitte 1941 war er einer von 14.000 schwarzen Soldaten des Native Military Corps, die die kämpfenden Truppen in der Wüste mit Wasser und medizinisch versorgen mussten. Er berichtet: »In der Nacht vom 21. November 1943 waren die Briten in eine furchtbare Panzerschlacht verwickelt. Die alliierten Truppen zogen sich zurück. Aber unsere Kommandeure wussten das nicht. Wenig später fanden wir heraus, dass unsere Brigade von zwei deutschen Panzerdivisionen eingekesselt war. Und dann kamen deutsche Kampfflugzeuge, überflogen das Schlachtfeld und griffen unsere Nachschublinien an. Wir hörten Explosionen, die Lastwagen flogen in die Luft, überall war Staub und Rauch; wir konnten nichts mehr sehen und erkennen. Gleichzeitig rückten deutsche Panzer vor, und wir Südafrikaner lieferten ihnen einen höllischen Kampf, sehr tapfer, aber nutzlos. Die Stellung wurde von den deutschen Truppen überrannt. Ich war nur Obergefreiter, alle höhergestellten Offiziere waren spurlos verschwunden! Aber ich schaffte es, zuerst vier und dann noch einmal fünf Lastwagen mit Verwundeten durchzubringen.«

Frank Kyzer kam nur davon, weil er einen deutschen Soldaten auf dem Schlachtfeld behandelte und er deshalb nicht erschossen wurde.Insgesamt wurden an diesem Tag 379 Südafrikaner in Sidi Rezegh verwundet, 3.000 gerieten in deutsche Kriegsgefangenschaft und 224 fielen. Die Überlebenden bestatteten die Toten, weiße Infanteristen und schwarze Krankenträger, nach dem Alptraum dieser Schlacht Seite an Seite in einem Massengrab. Aber das Oberkommando der Südafrikaner ließ die Leichen exhumieren und erneut begraben – nach Hautfarben getrennt. Nach der Rückkehr der Soldaten nach Südafrika erhielten sie nicht die versprochenen gleichen Rechte, sondern die Apartheid wurde institutionell eingeführt.

2. Foto: Biuku Gasa
Jeder kennt John F. Kennedy und manche wissen, dass er im Pazifikkrieg Kapitän eines Patrouillentorpedobootes der US-Marine war. Wenige wissen, dass er ohne die Hilfe von Biuku Gasa nie überlebt und Präsident geworden wäre.Zusammen mit seinem Freund Aaron Kumana war Biuku Gasa Anfang August 1943 auf dem Rückweg von einer Patrouille für die Alliierten, als er ein Boot entdeckte, das auf dem Riff am Eingang der Lagune zerschellt war. »Als Captain Kennedy mit seinem Boot in die Bucht vor Kolombangara eingelaufen war, hatte er nicht bemerkt, dass ihm ein japanischer Zerstörer folgte«, erklärt Biuku Gasa. »Und so machte es rumms! Die Japaner schossen ihre Torpedos ab und versenkten Kennedys Boot.« Wir kletterten auf Palmen, um Kokosnüsse herunterzuholen. Eine davon gaben wir Kennedy. Er sprach ein wenig Pidgin-Englisch und wollte, dass wir eine Botschaft zu seinen Leuten brächten. Aber es gab kein Papier. Da sagte ich zu ihm: ›Warum schreibst du deine Nachricht nicht auf die Haut einer Kokosnuss oder – wie ihr Weißen sagt – auf die Schale?‹« Kennedy war von der Idee begeistert und ritzte mit einem Messer die Botschaft in die Kokosnuss: »Die Eingeborenen kennen unsere Position. Sie können euch führen. Elf Mann haben überlebt. Wir brauchen ein kleines Boot.« Dann bat der die beiden, diese Nachricht zum US-Militärstützpunkt in Rendova zu bringen. Wir ruderten 60 Kilometer weit nach Rendova, wo viele Amerikaner waren, und führten sie zurück zu der Insel Olasana. So haben wir Kennedy das Leben gerettet.« Erst im Mai 2002 schickte die Forschungsgesellschaft National Geographic aus Washington Taucher auf die Salomonen. Sie sollten das Wrack von Kennedys Patrouillenboot aufspüren. Mit dabei war auch ein Neffe des ehemaligen US-Präsidenten die Salomon-Inseln. Er besuchte die beiden Lebensretter seines Onkels und bedankte sich endlich bei ihnen- was John F. Kennedy nie getan hatte.

3. Foto: Remedios Gomez-Paraisa
Als die japanischen Streitkräfte 1942 die Philippinen überrollten, lebte Remedios Gomez-Paraisa in der philippinischen Provinz. Ihr Vater war dort Bürgermeister. »Er wollte den Japanern nicht dienen und versteckte sich. Aber er wurde verraten. Weil er es ablehnte, mit ihnen zu kollaborieren, folterten die Japaner ihn zu Tode. Deshalb ging ich zusammen mit meinem Bruder in den Untergrund.« Remedios Gomez-Paraisa ging mit ihrem Bruder in die Berge und warb Bauern für die philippinische Widerstandsbewegung: »Es gelang uns, eine Schwadron aufzustellen. Aber anfangs hatten wir nur eine einzige Waffe – die Pistole meines Vaters. So begann unser Kampf in der »Antijapanischen Volksbefreiungsarmee«. So hieß die größte Widerstandsbewegung auf den Philippinen im Zweiten Weltkrieg, die über etwa 30.000 Bewaffnete verfügte. Remedios Gomez-Paraisa war eine der wenigen Ahnführerinnen in der Guerilla. »Wir lernten Hinterhalte zu legen, und Waffen oder Lebensmittel vom Feind zu erbeuten. Mehr als einmal brachten wir Versorgungszüge der Japaner zum Entgleisen.« Erst im Oktober 1944, zweieinhalb Jahre nach ihrer Flucht, kehrten US-Truppen unter General MacArthur in die Philippinen zurück. »Als sie landeten, hatten wir ihnen den Weg längst freigekämpft«, sagt Remedios Gomez-Paraisa. Seite an Seite mit den US-Truppen rückten philippinische Guerillaeinheiten auch in die Hauptstadt Manila ein, in der sich die Japaner verschanzt hatten. »Unsere Einheiten haben US-amerikanische Gefangene aus der Universität Santo Tomas befreit und an vielen Stellen der Stadt mit US-Soldaten gegen die Japaner gekämpft.« Aber diese Partisanengruppen waren den US-Militärs suspekt, weil sie für ein Ende der US-amerikanischen Kolonialherrschaft und die Unabhängigkeit der Philippinen eintraten. Der Krieg gegen die Japaner war noch nicht zu Ende, als US-General Douglas MacArthur die Kämpfer aufforderte, ihre Waffen bei der US-Armee abzuliefern. Andernfalls würden sie wie »Umstürzler« und »herumstreunende Banditen« verfolgt. Remedios Gomez-Paraisa erinnert sich, dass die US-Truppen Anfang 1945 etwa 200 KämpferInnen niedermetzelten. Viele dieser Männer und Frauen hätten kurz zuvor noch mit der US-Armee Manila befreit. »Wir wollten dauerhaften Frieden, wahre Demokratie und Gerechtigkeit. Aber schon nach wenigen Monaten mussten wir erkennen, dass sich unsere Hoffnungen nicht erfüllten. Deshalb kehrten wir in die Berge zurück, um den Kampf für die Befreiung unseres Landes fortzusetzen.« Erst 1990 erkannte die philippinische Regierung die Widerstandsbewegung im Zweiten Weltkrieg an und bewilligte ihren Mitgliedern eine Rente. Anfang 2000 stand auch Remedios Gomez-Paraisa ehemaligen Mitstreitern aus dem antijapanischen Widerstand mit Rat und Tat zur Seite und half ihnen beim Ausfüllen ihrer Rentenanträge. Sie selbst bekam eine Rente in Höhe von etwa 60 Euro monatlich. Und das für vier Jahre lebensgefährlichen Kampfes zur Befreiung ihres Landes.

Foto: Grabstein
Dieser Grabstein steht im Inneren der Philippinen. Ich möchte mit diesem Bild meinen Vortrag beenden. Dieser Grabstein steht symbolisch für die Erinnerung an die Opfer, die nicht bekannt sind und die Menschen, die in Europa und dem Westen nie gewürdigt werden, aber ohne die eine Befreiung von Faschismus und Herrenmenschentum nicht gelungen wäre.Foto: Danksagung und BuchhinweisGanz zum Schluss möchte ich mich noch bei den KollegInnen des Rheinischen Journalistenbüros bedanken, ohne deren Recherchen und Veröffentlichungen dieser Vortrag nicht möglich gewesen wäre. Ihr hervorragendes Buch liegt auf dem Büchertisch hier aus. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.Klaus Viehmann, Berlin, Juli 2006Many thanks to Rheinisches Journalistenbüro Cologne